" Hier gibts Rosenwasser: Auf den Spuren der Vergangenheit

Auf den Spuren der Vergangenheit

Lutterburg Teil II


Hoch über der Weser soll es liegen, das 21,6 ha große Areal der historischen Lutterburg an der deutschen Mächenstraße, mit Ruinen von 2 Muthesius-Villen, Pfötnerhaus mit Garagen, Kapelle und Friedhof.

Wir schlagen uns den Wald fast senkrecht hoch.
Kein Weg, nicht einmal ein Trampelpfad ist vorhanden. Das Laub ist rutschig, die Puste geht zu schnell aus.
Die Wiese auf der ersten Anhöhe des Hopfenberges
läd zum Rasten ein, wir laufen jedoch weiter
westwärts. Inzwischen auf einem Pfad, der sich
leicht abzeichnet.

Erstaunlich schnell haben wir den Stall mit dem Quartier für das einstige Personal erreicht.
Die Laune ist bombig, die Fotoapparate blitzen.
Das kleine Häuschen muss nicht viel Platz geboten haben. Weder für Tiere, noch weniger aber für das Personal.
Von hier führt ein kleiner Weg auf gleicher Ebene weiter Richtung Westen.
Eine Steinwand lugt durch das Grün der vielen
Bäume und Pflanzen. Da muss es sein, die erste Villa. Die der Familie Büttner, größer und herrschaftlicher erbaut als die zweite der Familie Harms.
Diese Ruine lässt traurig erahnen was sie einmal
gewesen sein muss.

Das Haus bot 2 Stockwerke, 2 Kellerebenen, ein nachträglich darauf gesetztes Obergeschoß sowie einen opulenten Wintergarten.
Von jedem Zimmer des Hauses aus gelang man auf den Balkon, der sich großzügig um das Haus schloss.

Da die Treppen heute nicht mehr intakt sind, kann man die oberen Stockwerke nicht betreten. Ohnehin ist alles einsturzgefährdet, morsch und wackelig.
Dafür lassen sich die beiden Kellerebenen noch erkunden.
Ganz unten ist es kalt und moderig, man sieht seine eigene Hand vor Augen nicht mehr.
Die Cam läuft und irgendwie sehe ich mich just im Blairwitch Projekt.
Das kleine Licht meines Handys ist besser als gar kein eigenes
Licht und damit stolpere ich wieder
nach oben ins Warme, ins Helle.
Langsam lässt auch die Gänsehaut
wieder nach.

Ringsum hat sich die Natur jeden Millimeter zurückerobert. Die vor dem Haus angelegten Terassenstufen kann man erahnen, sie sind jedoch - wie man heute weiß - nie fertiggestellt worden.
Gleiche Himmelsrichtung ein Stück weiter bergauf schließt sich das zweite Haus an.
Etwas kleiner, ebenfalls komplett verfallen.

Nur die Kapelle ist nicht in Sicht. Laut Beschreibung muss sie weiter oberhalb liegen, nur ohne Weg heißt es wieder bergauf und quer durch den Wald schlagen. Mittlerweile ist der Hang auf dem wir laufen extrem hoch und steil. Schottersteine und Laub machen das Gehen noch gefährlicher. Die Natur wächst und wuchert von allen Seiten.
Es wird sich auf das Laufen konzentriert,
kein Foto mehr geschossen, nur die Cam
nimmt ab und zu auf.

Neben den Freunden die vor und
hinter einem kraxeln, rauscht
ganz weit unten irgendwo die B83
entlang.
Wer aber ab und zu einen Moment
innehält und die Atmosphäre
dieser Gegend wahr nimmt, kann
eine Menge Mystik versprühren.


Als die Kapelle ein Stück weiter unterhalb in Sicht kommt, bin ich erleichtert und surfe mit den anderen auf dem Laub hinab zur beginnenden Friedhofsmauer.
Vier Wände der Kapelle stehen noch komplett. Der vorhandene Altar ist stark beschädigt.
Zu beiden Seiten der Kapelle wurde Platz geschaffen für Gräber. Familie Harms ruht auf der linken Seite. Die letzte Tochter der Generation ruht dort ebenfalls.

Spätestens jetzt vor den Gräbern an der kleinen Kapelle mitten im Wald wird einem klar, wie außergewöhnlich dieses Gelände zu seiner Zeit gewesen sein muss und dass der Ausflug jede Minute wert war.
Über die Menschen die hier lebten kann man nur mutmaßen aber es hat sie gegeben. Bis 1977.

Es mag etwas kurios sein, dass Büttner hier eine Ferienstätte für
Professoren bieten und damit zugleich erreichen wollte, dass das Gelände weiterhin gepflegt und ihm ein Andenken verschaffen würde.
Was die Zeit hinterlassen hat ist ein Ruinenpark, der magisch und einzigartig sein dürfte. Ein Anziehungspunkt für Pilger, die das Besondere interessiert und fesselt.

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