" Hier gibts Rosenwasser: The Strife of Love in a Dream

The Strife of Love in a Dream



















Gestern kam sie endlich mit der Post, samt ihrer vielen Geheimnisse.

Mich faszinierte ihr Titel und das Mysterium um die Hypnerotomachia Poliphili schon damals, etwa vor 4 Jahren, als ich das erste mal über sie in einem Roman las.
Erstmals erschien dieses wahre Wunderwerk der italienischen Renaissance 1499 in Italien, gefertigt in der Druckwerkstatt des namenhaften Verlegers Aldus Manutius. Die Erstauflage der Hypnerotomachia Poliphili fand zunächst wenig Beachtung, das Buch war dem Verständnis seiner Zeit weit voraus. Erst die Neuauflage 1545 wurde ein durchschlagender Erfolg. Wegen der Verwendung der venezianischen Schriftgattung sowie kunstvoller Initialen gilt sie als hochbedeutsame, typographische Abhandlung. 172 Holzschnitte schmücken die Rahmenhandlung des Werkes, in dem Poliphilo von seiner geliebten Polia träumt.

Aber die Hypnerotomachia ist weitaus mehr als nur eine Liebesgeschichte in einem Traum. Das Buch verblüfft durch ausführliche, detailbesessene und äußerst umfassende Beschreibungen der zauberhaften Orte und Gebäude, versteckten Rätsel, Metaphern und philosophischen Gedankenspiele, welche die Rahmenhandlung bereichern.
Eines der vielen Geheimnisse umgibt auch den Verfasser. Der Autor, der anonym bleiben wollte, gestaltete sein Werk als ein von Rätseln durchsetztes Geflecht tiefgründiger Anspielungen und Verweise, die sowohl die Liebe zum Wort als auch kunsthistorisches Interesse wecken. Ein Hinweis auf ihn eröffnet sich beispielsweise, wenn man die Anfangsbuchstaben der einzelnen Kapitel, hintereinander liest. Daraus ergibt sich ein Akrostichon: „POLIAM FRANCISCVS COLVMNA PERAMAVIT“ (Francesco Colonna hat Polia sehr geliebt).
Heute ist ziemlich gewiss, dass es sich bei dem Autor um Francesco Colonna handelt, der einer einflussreichen, römischen Adelsfamilie entstammte und über die Bildung, - als auch Kenntnisse verfügte, solch ein großes Werk zu verfassen.

Bei all ihrer Komplexität bietet die Hypnerotomachia stets die Möglichkeit das Mysterium, das sie aufgibt auch zu lösen, wenngleich der Autor sehr darum bemüht war seine literarische Arbeit überaus gut zu verschlüsseln. Das Buch ist in eine Herausforderung aus Latein, latinisiertem Italienisch, neu erfundenen Latinismen und dem römischen Italienisch des 15. Jahrhunderts. Darüber Hinaus gibt es Passagen in Hebräisch, Arabisch, Griechisch, ägyptische Hieroglyphen, mathematische Anmerkungen, geometrische und architektonische Konstruktionspläne, neuzeitliche Hieroglyphen und Bilderrätsel.
In deutscher Sprache ist bis heute leider, leider keine Auflage erschienen. Zum Glück gibt es aber reichlich Sekundärliteratur, die einem beim Entschlüsseln und Verstehen hilfreich zur Seite steht.
Alles in allem ist die Hypnerotomachia Poliphili sicherlich keine leichte und verdauliche Kost. Sie setzt zum Einen großes Interesse an der italienischen Renaissance voraus sowie reichlich Geduld sich Kapitel für Kapitel vorzuarbeiten.
Die Abenteuer des Protagonisten jedoch, mit all den Beschreibungen und Holzschnitten, machen die Hypnerotomachia auf jeden Fall zu einem einzigartigen Meisterwerk!

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