" Hier gibts Rosenwasser: Das verflixte Ding mit der Erziehung

Das verflixte Ding mit der Erziehung


Nie zuvor habe ich soviel über mein Denken und Handeln nachgedacht, wie seitdem ich Mama bin.
Bin ich mir nicht nur einer Vorbildfunktion bewusst, das Thema Erziehung scheint allgegenwärtig zu sein. Aber so spannend dieses Thema auch sein kann, so verwirrend ist es für mich oftmals auch. Unzählige Ratgeber, Thesen, Bücher, Ansätze zu dieser Aufgabenstellung gibt es mittlerweile.
Aber ist Erziehung eigentlich eine Aufgabenstellung?
Es gibt die polarisierende Überzeugung, dass Erziehung gleichzusetzen ist mit Manipulation.
Aber wie kann ein Aufwachsen und Gedeihen eines Kindes geschehen ganz ohne Erziehung? Im Alltag ist es manchmal nicht einfach Tipps und Ratschläge umzusetzen und gekonnt anzuwenden.
Da heißt es in der einen Zeitschrift: „Wenden Sie nicht so oft das Wort Nein an, ersetzen Sie es besser durch Synonyme."
Hingegen macht Jepser Juul in seinem Buchtitel „Nein aus Liebe“ bereits deutlich, dass ein klares, authentisches Nein durchaus das rechte Mittel sein kann.
Trotzphasen überwinden helfen, indem man auf Augenhöhe geht und die Umstände erklärt - eine schöne, aber auch manchmal knifflige Angelegenheit, zB. im Supermarkt wo der Geräuschpegel einem Jahrmarkt gleicht, die Konzentration des Kindes im Keller angekommen ist und man zudem irgendwie noch das Einkaufen erledigen muss...
Möglich ist allerdings auch, gegenüber dem Kind eine ehrliche Lustlosigkeit am Erklären zu äußern: „Ich habe jetzt einfach keine Lust, ich bin müde, das ist jetzt so."

Es ist heutzutage in der Erziehung (sofern es denn eine sein darf) viel möglich, aber auch eine ganze Menge nicht (mehr) empfehlenswert und verwerflich. Und eine ganze Menge ist für mich einfach nur widersprüchlich.
In all dem Wirrwar tut es gut Ratschläge zu lesen, wie z.B. hier, wo es heißt:

„Ziehen Sie ihr Kind nicht in einem Schrank auf, 
 lassen sie es nicht verhungern 
 und schlagen Sie es nicht mit einer Bratpfanne auf den Kopf“ 
[Steven Peterson] 

Ein bisschen Licht und Ordnung ins Chaos brachte für mich der vor kurzem gehörte Podcast mit dem Untertitel: We don't need no education. Eine sehr interessante Episode zum Thema Erziehung vom Soziopodcast.
Die Podcaster Dr. Nils Köbel, Dozent am Institut für Erziehungswissenschaft der Johannes Gutenberg Universität in Mainz und Herr Breitenbach, Social Media” und “New Media Culture” im Master Management und digitaler Botschafter an der Karlshochschule geben Antworten, hinterfragen und erörtern Thesen zu genau diesem Thema, haben Ideen und Gedankenvorschläge.
Was ist genau Erziehung? Darf Erziehung überhaupt stattfinden und wenn ja, wie kann sie heutzutage aussehen, wie funktionieren.
Für mich ein Zuhören mit großem Ahja-Erlebnis.

Zum Anhören geht es hier entlang.

Was aber auch immer wir Eltern aus der Vielzahl an Informationen ziehen - für das Glück unserer Kinder und für unser eigenes:
Sind wir mit Liebe dabei, können wir nicht allzu viel falsch machen. Finde ich.

1 Kommentar:

  1. Meine liebe Jule!

    Nun mal ein ernstes Wörtchen zur Erziehung ;-)
    Ich persönlich glaube, dass die besten Berater dein Kopf, dein Bauch und dein Herz sind.

    Diese ganzen verwirrenden und widersprüchlichen Ratgeber haben oft auch nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen und noch dazu gibt es wohl kaum ein Gebiet, in dem es so viele unbelegte und subjektive Meinungen gibt wie in diesem. Jeder meint, mitkamellen zu müssen und viele wissen vieles besser.

    Gerade neulich erfuhr ich in der Abendschule, bei einem Dozenten, der lange in Amerika und Dänemark war, dass das Wort "Manipulation" nur in unserer deutschen Sprache eine Negativbesetzung hat. Sowie übrigens auch das Wort "Aggression". Ich denke, bei beiden gilt es zu unterscheiden. Es gibt konstruktive und destruktive M. und A. Ohne eine gewisse Aggression könntest du dein Leben nicht bestehen. Du könntest nicht einmal einen Apfel zerbeißen., denn das ist auch ein "aggressiver Akt".
    Auch der von mir kürzlich aufgesuchte Chiropraktiker "manipuliert" an meiner Wirbelsäule, aber in einer Art und Weise, dass es mir danach besser geht...

    Und hast du schon einmal eine Katzenmutter mit ihren Jungen beobachtet? Sie gibt ihnen alles was sie brauchen - Liebe, Wärme, Schutz, Essen... - aber hast du schon jemals gesehen, dass sie sich mit schlechtem Gewissen fragt, ob sie ihr Kleines jetzt evtl. ungerecht behandelt hat, als sie es von der gefährlichen Balkonbrüstung geholt hat? Oder ob vielleicht Kätzchen XY jetzt ein Trauma entwickelt, weil sie ihm eine Grenze gesetzt und Kätzchen Z an seiner Statt auch mal hat trinken lassen? Ich glaube nicht... Womit ich nicht sagen möchte, dass Menschen mit Katzen zu vergleichen sind. Menschen sind oft die "schlimmeren Tiere". Jedoch hat sich die Natur bestimmt etwas dabei gedacht. Jeder will doch seine Nachkommen gut aufziehen.

    Ich finde es zudem unverantwortlich, Kinder sich selbst zu überlassen, indem wir sie nicht erziehen. Sie kommen mit gewissen Anlagen und Charakterzügen zur Welt - aber woher sollen sie wissen, wie die Welt funktioniert? Wer sagt es ihnen, wenn nicht wir? Dann wird es irgendwann die Gesellschaft, die Polizei, der Jugendknast oder whatever sein. Ich möchte nicht, dass "meine" Kinder irgendwann in die Welt hinausgehen und überall anecken, weil sie gewisse soziale Regeln und Gegebenheiten nicht kennen gelernt haben.

    Die Eltern und Erzieher, die laissez faire oder ähnliche Weisheiten praktizieren, ziehen sich ihre kleinen Tyrannen selbst heran. Diese Tendenz ist in vielen Kitas und Schulen bereits überdeutlich sichtbar - mit sehr destruktiven Konsequenzen!

    Entwicklungspsychologisch machen Kinder im Alter um 1,5 / 2 Jahre (plus/ minus) eine Phase durch, in der sie sich als allmächtig erleben, und erst lernen müssen, dass auch noch andere (gleichwertige) Personen, ebenfalls mit Bedürfnissen, neben ihnen existieren. Wer soll ihnen das zeigen?

    Du kannst dein Kind also ruhig erziehen, solange es im Grundsatz mit Liebe, Wohlwollen und Verstand geschieht. Wenigstens in deinem Falle bin ich der Meinung, das bedenkenlos sagen zu können!
    Liebe Grüße

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